An Hamburgs teuerster Einkaufsmeile Neuer Wall ging es im Januar 1974 etwas weniger seriös zu: Im Theater Rendezvous gastierte das Pariser Ensemble Les Garçon Terribles mit einer Revue-Burlesque: „Graziös, frech, ironisch und zuweilen von leichter Melancholie umschattet“, schrieb der damalige Abendblatt-Kritiker. Alles hat seine Zeit. Das „Rendezvous“ 1948 eröffnet, ist seit Jahrzehnten Geschichte, auch Burlesque war in Hamburg kein Thema mehr, bis US-Künstlerin Dita von Teese vor zehn Jahren zum Mainstream-Star wurde. Gleichzeitig eröffnete an der Gerhardstraße Deutschlands erste Neo-Burlesque-Bar Queen Calavera, die bundesweit bekannt wurde und auch die erste kleine Bühne vieler Burlesque-Künstlerinnen war.
Das Queen Calavera, später „Home of Burlesque“ genannt, schloss kürzlich für immer seine Türen. Der Kiez im Wandel. Burlesque aber ist dem Szene-Untergrund entwachsen und längst eine etablierte Kunstform geworden. Sie vereint Tanz und Schauspiel, Artistik und Erotik, Humor und Augenzwinkern, Musikalität und kulturelles Geschichtsbewusstsein und ist, anders als herkömmlicher Striptease, die vielleicht feministischste Form von Frivolität.
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