Demo gegen die massive GEMA-Erhöhung: Künstler und Disco-Betreiber erwiesen St. Pauli die „letzte Ehre“.
Friedhofsstimmung auf der sündigen Meile: Rund 200 Künstler, Gastwirte, Discound Club-Betreiber protestierten gestern Nachmittag auf dem Spielbudenplatz gegen die drohende Erhöhung der GEMA-Gebühren. Symbolisch trugen sie dort „St.Pauli zu Grabe“. Die Angst vor dem „Clubsterben“ ist größer als je zuvor. „1247-2013 Auf St. Pauli gehen die Lichter aus“ steht auf dem Grabstein vor dem symbolischen Grab auf dem Spielbudenplatz, drum herum sind rund 200 Trauergäste in Schwarz versammelt. Die Club-Szene erweist St. Pauli die letzte Ehre. Wirkt makaber – und ist todernst gemeint.
Die Trauergäste sind sich sicher: Die Ankündigung der Musikverwertungsgesellschaft GEMA, ihre Gebühren ab 2013 deutlich zu erhöhen, wäre für viele Clubs der Stadt der Genickbruch. Wolf von Waldenfels, Betreiber des Bunker-Clubs „Uebel & Gefährlich“, beispielsweise meint: „Die neuen Gebühren könnte ich mir nicht leisten, da müsste ich dichtmachen.“ Waldenfels rechnet vor: 2012 zahlt er insgesamt 15000 Euro an die GEMA. JedesMal wenn in seinem Club ein Song öffentlich gespielt wird, klingelt bei der GEMA die Kasse. Durch die neue Regelung käme er auf 170 000 Euro–elf Mal höhere Kosten! Und auch den Gästen würde es vermutlich ans Portemonnaie gehen: Eine der möglichen Folgen wäre eine Verlagerung der Mehrkosten auf Getränke und Eintritt. Die GEMA hält die geplante Gebühren-Erhöhung dennoch für gerechtfertigt, wie Sprecherin Ursula Goebel erklärt: „Die Clubs und Diskotheken haben alle bislang
nur eine minimale Pauschale bezahlt. Das wollen wir in Zukunft anders gestalten.“
In die Musikverwertungsgesellschaft flossen 2010 863 Millionen Euro. Das Geld wird zum großen Teil an die Künstler weitergegeben – je bekannter der Künstler, desto mehr gibt’s.
