MOPO: Strapse, Strass und ganz viel Stolz

Burlesque-Festival auf dem Kiez. Eve Champagne: „Eine Hommage an die Weiblichkeit“
Federfächer, rote Lippen und mit Swarovski-Steinen besetzte Korsetts: Bis morgen zeigen die internationalen Stars der Burlesque-Szene ihr Können in Hamburg. Dabei geht es nicht nur ums Ausziehen. Umhüllt von einer blauen Federboa, mit einer glitzernden Korsage und langen blauen Handschuhen betritt sie die Bühne des barocken Saals in der Hamburger Prinzenbar: Gineva Jones aus Bella Italia. Kokett schwingt sie die Hüften, lächelt dabei verführerisch und gibt einen Blick auf ihre Schulter frei. Das Publikum johlt anerkennend. Als sie dann lasziv ihre Handschuhe abstreift und ihr perfekt mit Strapsen umrahmtes Hinterteil kreisen lässt, kommen noch anerkennende Pfiffe dazu. Als sie später ihre langen braunen Haare und ihre Korsage öffnet und sich verführerisch auf dem Boden rekelt, kennen die Zuschauer kein Halten mehr.
Gineva Jones ist eine von acht Burlesque-Künstlerinnen, die das 3. Hamburger Burlesque-Festival eröffneten. Bis morgen zeigen Künstler, Akrobaten und Performer die unterschiedlichen Spielarten der Burlesque-Kunst auf der Reeperbahn. „Beim Burlesque steht das Entertainment im Vordergrund, der Charakter und die Persönlichkeit des Performers, welche Geschichte er zu erzählen hat statt der sexuellen Animation, die beim Striptease im Vordergrund steht“, sagte Marlene von Steenvag, die das Festival vor zwei Jahren initiiert hat.
Kurze Zeit vor Beginn der Show herrscht im Backstage-Bereich noch hektisches Durcheinander. Jacky Lu aus Italien prüft mit skeptischem Blick, ob ihre Pasties, glitzernde Aufkleber, die ihre Brustwarzen bedecken, richtig sitzen, während Lola la Tease aus England ihren schwarzen Lidstrich nachzieht.
Burlesque entstand in den 1940er Jahren in den USA und erlebt als New beziehungsweise Neo Burlesque eine Renaissance. Damals durften sich die Frauen noch aus rechtlichen Gründen nicht komplett ausziehen. Im Zentrum steht zwar auch der Striptease, der allerdings aufwendiger inszeniert wird und wovon sich BurlesqueTänzerinnen gerne deutlich abgrenzen. „Beim Burlesque geht es vor allem darum, zu feiern, wie man ist“, sagte Marlene von Steenvag. „Da gehören dicke Leute genauso dazu wie gertenschlanke – wir versuchen die möglichst breite Vielfalt zu zeigen.“
Anfang April hatte Dragqueen Olivia Jones (49) auf der Hamburger Reeperbahn einen neuen Burlesque-Club eröffnet. Unter der künstlerischen Leitung von Eve Champagne wollen im „The Bunny Burlesque St. Pauli“ internationale Stars der Szene stilvoll die Hüllen fallen lassen. „Burlesque gehört nach St. Pauli, weil es weltweit keinen Stadtteil gibt, zu dem Burlesque besser passen könnte“, sagte Olivia Jones.
„Burlesque ist eine Kunst, die Frauen Selbstbewusstsein vermittelt und Männer träumen lässt“, meint die Hamburgerin Eve Champagne. „Wir visualisieren Musik mit Leidenschaft und vollem Körpereinsatz, auf eine erotische, spielerische Art. Eine Hommage an die Weiblichkeit.“

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